Sich in der heutigen Druckerindustrie zurechtfinden

Veröffentlicht am 5 Dezember 2018 von Verena Arnold
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Die meisten Haushalte heutzutage haben nicht nur einen Computer, sondern auch einen Drucker zuhause. Dass dies ein Privileg ist, merkt man spätestens, wenn der Drucker mal schlapp macht, weil die Patrone leer ist oder ein anderes technisches Problem vorliegt. Glücklicherweise gibt es einige wenige Druckershops, in denen Experten sich um Defekte kümmern und erklären, welche Patronen für einen Drucker angemessen sind.

Die umweltbewusste Gabriela Nehme, war treuer Kunde des Druckershops in der Wartstrasse 20 in Winterthur. Als dieser 2012 zur Disposition stand, kaufte sie das Geschäft, damit das Konzept nicht einfach aus Winterthur verschwand. Zunächst musste sie aber wieder die Schulbank drücken, und da man dieses Handwerk in der Schweiz nicht lernen konnte, ging sie für die Ausbildung nach Deutschland. So konnte Nehme den Laden und die Werkstatt nahtlos weiterführen. Da der Job nicht besonders profitabel ist und Nehme selbst am Existenzminimum lebt, arbeitet sie alleine und wird von ihrem Mann unterstützt, der zirka ein bis drei Stunden pro Tag hilft, so, wie seine Behinderung es erlaubt. Er erledigt Besorgungen, den Wareneingang, Lieferungen in die Umgebung und weiteres, sowie den Haushalt. Laut Nehme beschreibt der Satz „Empörung ist mein Geschäft“ sehr gut, warum sie sich letztendlich für das Druckerzubehör-Business entschieden hat.

Im Druckershop unserer Interviewpartnerin Gabriela Nehme wird besonders viel Acht auf die Umwelt gegeben

 

Gabriela, welche Dienst- und Serviceleistungen werden im Drucker Shop Nehme angeboten? Wie lange gibt es den Shop schon?

Diesen kleinen Laden mit Werkstatt gibt es schon seit 2005: bis 2009 an der Wartstrasse 3, seither an der Wartstrasse 20. Ich habe ihn im Mai 2012 durch Kauf erworben. Ich fülle Tintenpatronen in der kleinen Werkstatt auf, die ich liebevoll „mein Fixerstübli“ nenne. Dazu benutze ich über 120 verschiedene Qualitätstinten des grössten Tintenherstellers in Europa. Sie sind originalkompatibel nachgebaut, sodass es keine Qualitätsabstriche gibt.

Wegen Platzmangels kann ich die Tonerkartuschen nicht selber aufbereiten, obwohl ich auch das gelernt habe. So habe ich diesen Teil meines Geschäfts ausgelagert. Ein Toneraufbereiter im Aargau arbeitet unter meinem Label mein Leergut auf. So kann ich unabhängig davon ein Lager an aufbereiteten Originaltonern halten und der Kunde muss nicht auf den Refill warten. Denn meistens pressiert’s. Viele Kunden kommen erst, wenn ihr Drucker wegen gähnender Leere im Tonertank die Arbeit verweigert.

Dann habe ich ein kleines, aber feines Papeteriesortiment mit Spezialitäten wie zum Beispiel die klammerlosen Hefter der japanischen Firma Kokuyo sowie andere Kokuyo-Produkte, die man so sonst nirgends in Winterthur und Umgebung bekommt, und eine Grundversorgung mit Papier. Eine Spezialität ist das gestrichene DCP-Papier, das ich in allen erhältlichen Stärken habe. Es verzieht sich nicht, was es geeignet auch für technische Zeichnungen, Baupläne usw. macht.

Was Tinten und Toner betrifft, habe ich das volle Sortiment der Hersteller Brother, Canon, Epson und HP, bei den Tinten Original, kompatibel und Refill, bei den Tonern Refill. Was ich nicht an Lager habe, kann ich in der Regel auf den folgenden Tag beschaffen. Die grossen Papeteristen schicken ihre Kunden zu mir, weil sie wissen, dass ich das Vollsortiment habe, während sie normalerweise nur die aktuellen Produkte haben und dies auch nicht in allen Variationen.

Wir reparieren auch. Dazu habe ich einen Techniker, der repariert, was ich und mein Mann nicht können, der aber auf eigene Rechnung arbeitet. Bei Druckern ist es ein Abwägen, denn der Drucker ist inzwischen ein Wegwerfartikel geworden, der aggressiv und billig auf den Markt geworfen wird. Die Hersteller machen das Geld mit den Originalpatronen und -kartuschen. Manchmal bringen uns Kunden auch andere Gegenstände, da hatten wir schon alles, vom Nachttischlämpchen über Heimelektronik und Kasperlifiguren hin bis zum Velo. Mein Mann bereitet Velos auf. So haben wir immer etwa drei bis vier Velos in einer Ecke im Schaufenster stehen.

 

Wie oft kann man Tintenpatronen und Tonerkartuschen wieder auffüllen? Worin besteht der Vorteil? Wann kauft man besser eine neue Tintenpatrone oder Tonerkartusche?

Die Hersteller wollen uns weismachen, dass aufbereitetes Verbrauchsmaterial die Drucker kaputt macht und dass bei solchen Patronen die Garantie verfällt. Besonders HP ist darin sehr aggressiv. Dem ist aber nicht so, das Gesetz verbietet diesen Ausschluss und gebietet, dass der Hersteller diese Möglichkeit nicht technisch völlig verhindern darf. HP ist das so ziemlich egal und der neueste Coup war, dass sie bei zwei Sorten Tintenpatronen dieses Jahr sogar ihre eigenen Originalpatronen gesperrt haben. Das ist übelst. Wäre es wirklich so, dass das Aufbereiten Nachteile bringt, könnte kein Refill-Shop überleben. Sowas spricht sich schnell herum. Und so kann man die kreativen Sperren austricksen und die Hersteller beschränken sich darauf, uns das Leben auf andere Weise schwer zu machen. Manchmal verlagern sie sich – auch hier wieder HP führend betreffend Gemeinheiten – darauf, den Ärger nicht nur beim Refiller zu belassen, sondern auf den Kunden zu verlagern.

Bei Brother hat es nur Vorteile: Wir schaffen es, die doppelte Menge, manchmal sogar noch mehr, zu befüllen. Brother verbaut bei den «Tintenpfützchen» ausschliesslich piezoeletrische Technik, die Hohlpatronen erfordern. Diese kann man unendlich oft auffüllen. Die thermoelektrischen Drucker haben Patronen mit zwei Kammern, wobei in der vorderen ein Schwamm ist, der natürlich altert. Diese kann man etwa zehnmal auffüllen, je nachdem, wie pfleglich sie behandelt werden. Die ebenfalls thermoelektrisch funktionierenden Druckkopfpatronen, also solche, die den Druckkopf in der Patrone haben und nicht permanent im Drucker, sind heikler. Die halten etwa fünf Füllungen aus. Die Tonerkartuschen werden jedes Mal, wenn sie aufbereitet werden, auseinandergenommen, alles sauber gereinigt, wieder zusammengebaut, und dabei werden die Verschleissteile ersetzt, insbesondere die Walze. Dann werden sie neu befüllt. Das kann man etwa zwanzigmal machen, was enorm viel Abfall vermeidet.

Da wir alles in Garantie machen, hat der Kunde keinen Nachteil, höchstens, dass er nochmals vorbeikommen muss, um das defekte Produkt kostenlos umzutauschen. Ich berate die Kunden und analysiere den Zustand der Patrone. So kann ich ihm sagen, wann es besser ist, eine neue Patrone zu kaufen. Wir bereiten nur Originalpatronen und -kartuschen auf, da wir nur bei diesen die Chips zurücksetzen können. So merkt der Drucker gar nicht, dass er eine aufgefüllte Patrone drin hat. Zudem sind unsere Tinten ausschliesslich originalkompatibel. Das heisst, man kann sie im selben Moment im Drucker haben wie Originalpatronen mit Originaltinte. Wenn man zuviele Sorten mischt, zum Beispiel Kompatible anderer Hersteller, kann es zu Verstopfungen im Tintensystem kommen. So sind auch unsere kompatiblen Patronen originalkompatibel und enthalten die Tinten vom gleichen Hersteller, bei denen ich auch die Kanister mit Refilltinte beziehe. Somit kann man alle Produkte, die ich habe, miteinander zusammen im Drucker haben.

Ein Kunde, der einen alten Drucker mit Macken hat und denkt, der steigt bald aus, kauft vielleicht keine neue Originalpatrone mehr, wenn die bisherige den Geist aufgegeben hat, weil er nicht weiss, ob er sie noch weiterverwenden kann. Dann entscheidet er sich oft, Geld zu sparen, indem er eben eine kompatible Patrone kauft. Neben dem ökologischen Aspekt ist natürlich auch die Kostenersparnis ein starkes Argument fürs Auffüllen. Wir sind aber nicht die Billigsten, denn mit dem Fernost-Billigschrott wollen wir nichts zu tun haben. Unser Konzept spricht Kunden an, die einerseits günstig kaufen wollen – Ersparnis 40%-75% zum Original, – andererseits aber auch ethische und ökologische Verantwortung für ihr Kaufverhalten übernehmen. Denn der Refill geschieht vor Ort beziehungsweise im Aargau. So, dass Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Schweiz bleiben und die hiesigen Sicherheitsnormen eingehalten werden.

Tonerstaub ist hochgiftig und muss in einem geschlossenen System aufgefüllt werden. Dies ist in Fernost nicht gewährleistet. Einen weiteren Vorteil sieht man unter dem Mikroskop, wenn man sich den Tonerstaub anschaut. Billigprodukte sind splitterförmig und scharfkantig, sodass Fotoleiter und weitere teure Teile im Laserdrucker schneller ersetzt werden müssen. Unserer ist rund und schont die Trommeln.

Bei HP gibt es Tintenpatronen, die nur Ärger machen, wenn man sie aufbereitet. Da empfehle ich das Original zu kaufen. Auch wenn das ein exorbitant teurer Spass ist, ist es besser, als einen neuen Drucker kaufen zu müssen, da jeder Elektroschrott die Umwelt belastet. 80 % allen Elektroschrotts aus Europa und der Schweiz gelangt über dunkel verschlungene Wege nach Ghana und macht das Land zunehmend unbewohnbar. Wir heissen dann die Ghanesen mehr oder weniger herzlich in Europa willkommen, wenn sie den Weg hierher schaffen.

Das Aus- und Einbauen diverser Druckerteile ist vor allem für Endkonsumenten eine grosse Hürde

 

Der Drucker Shop Nehme ist unabhängiger Anbieter von Drucker und Druckerpatronen. Warum ist es wichtig, unabhängig zu beraten und zu verkaufen?

Das sehen wir im Gesundheitswesen und vielen anderen Branchen: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Das ist auch in diesem hart umkämpften Markt so. Ich müsste pro Jahr CHF 50’000.– allein mit dem Druckerverkauf umsetzen, damit sich ein Hersteller überhaupt dazu herablässt, mir Drucker für den Wiederverkauf zu verkaufen. Das kann man nicht mit mehreren Lieferanten machen, da muss man sich für einen entscheiden, und den promotet man dann eben auch. Ich suche den für den Kunden besten Weg und das geht nur unabhängig.

 

Du setzt dich für Schweizer Qualität und Arbeitsplätze und auch für den Umweltschutz ein. Wie muss man sich das vorstellen?

Die Motivation ist, dem Kunden ethisch verantwortungsvolles Handeln in einer Sache zu ermöglichen, in der der globalisierte Markt stur dagegen kämpft. Unser unseliges Geldsystem erzwingt immer rasanteres Wachstum und gelangt in diesen Jahren an sein Ende. Daher wird immer intensiver und schneller auf Halde produziert. Kleinste Player wie ich können jenen, die uns in dieses Hamsterrad zwingen, kaum merklich ans Schienbein pinkeln. Das erfüllt mich mit grosser Befriedigung. Der Kunde muss dabei nicht auf Qualität verzichten, einzig muss er seine Patronen vielleicht ein bisschen anders behandeln, als wenn er ein Einwegprodukt kauft. Aber das erkläre ich ihm. Leider fördert unsere Politik Nachhaltigkeit bisher nur als Lippenbekenntnis.

Es würde schon helfen, wenn sie die Hersteller dazu zwingen würde, Produkte herzustellen, deren Komponenten einzeln ausgetauscht werden können. Früher konnte man zum Beispiel bei thermoelektrischen HP- und Canon-Druckern einfach einen Hebel oder Bügel hochstellen und dann den Druckkopf herausnehmen und selber reinigen. Heute muss man als Laie das ganze Gerät wegschmeissen, wenn man nicht weiss, wie man den Drucker auseinandernimmt, um den Druckkopf ausbauen zu können, weil er nun direkt an der Elektronik verhängt ist. Wenn ich als Fachperson zum Beispiel HP anrufe und einen solchen Druckkopf kaufen will, heisst es lapidar, das ist nicht vorgesehen, dass man diesen Druckkopf auswechseln kann. Den kann man ja doch nicht ausbauen. Wenn ich dann sage, doch, das kann ich, dann heisst es, ja, aber der Endverbraucher kann das nicht.

Die Servicestelle in der Schweiz gibt es auch nicht mehr, man wird nach Deutschland oder Irland verbunden. Da muss ich auch immer wieder um Triviales wie die Einhaltung der Garantierechte kämpfen, es ist einfach traurig. Das sind Rückschritte, keine Fortschritte. Und so kommt es, dass ich eben dem Kunden andere Drucker empfehle, wenn es so kundenunfreundlich gehandhabt wird. Klar, einem Konzern wie HP ist es doch egal, was ein Kunde in der kleinen Schweiz über seine Drucker denkt. Er kann sich aus der Schweiz zurückziehen, ohne mit der Wimper zu zucken. Der Ausfall fehlt ihm höchstens in der Portokasse.

Man muss Idealist sein, denn das grosse Geld lässt sich mit dieser Arbeit nicht machen. Ich bin Idealist und kann eine Arbeit tun, bei der ich ein gutes Gewissen haben kann, was meinen christlichen Werten entspricht.

Dieses Toner-Leergut wird nicht etwa entsorgt, sondern steht zur Abholung für die Wiederaufbereitung vor dem Ladenlokal

Ökologisch denken, wenn der Drucker schlapp macht

Aufgrund der niedrigen Preise für Drucker heutzutage werfen viele Leute keinen genauen Blick auf ihre defekten Geräte, und kaufen gleich ein neues. Jedoch kann man mit etwas Fachwissen über den Aufbau und die Kompatibilität des Druckers sehr einfach vermeiden, dass die Geräte so schnell kaputtgehen. Das spart nicht nur Geld, sondern hilft auch der Umwelt, da weniger Abfall produziert wird. Eigentlich sollte man bei einem Druckerkauf zuerst auf das Verbrauchsmaterial schauen: Kann man es auffüllen? Was kostet das Verbrauchsmaterial?

Für jeden Patronentyp gibt es ja eine ganze Drucker-Serie mit verschiedenen Funktionen. Z.B. können die einen scannen und kopieren, die anderen nicht. Denn häufig werden die Drucker zu Spottpreisen verkauft, womöglich in Aktionen, wo das Verbrauchsmaterial dann teurer ist als der Drucker. So gibt es dann die ganz «Schlauen», die einen Drucker für Fr. 30.— kaufen, die mitgelieferten Patronen leerdrucken und dann das ganze fast neue Gerät entsorgen und sich ein neues kaufen. Schlimmer geht nimmer.

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