Qi Gong – Innen und Aussen im Einklang

Veröffentlicht am 15 Februar 2019 von Verena Arnold
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So oft wird davon gesprochen, dass man mit sich selbst im Reinen sein muss, wenn man den Anforderungen des Umfeldes gewachsen sein will. Zuerst muss man aber erstmal verstehen, was genau damit gemeint ist. Die Erklärung dazu findet man als Bestandteil der asiatischen Kampfkünste, die dafür bekannt sind, dass sie nicht nur den Körper, sondern auch den Geist schulen. Qi Gong wird vielfach gar nicht mehr als Kampfkunst angesehen, da es als Teil der TCM nur noch zu medizinischen Zwecken genutzt wird. Diese weichen und fliessenden Bewegungen hatten in ihrem Ursprung vor über 2000 Jahren auch das Ziel, zur Verbesserung von Kampfesmut und Technik beizutragen.

Wir wollten es genau wissen und haben mit dem 49-jährigen Ron Timm gesprochen. Geboren in Stralsund in der damaligen DDR hatte er immer den Wunsch, mit organischem Material, mit Lebendigem und dazu körperlich zu arbeiten. So war für ihn eine Lehre als Tischler naheliegend, auch aus Mangel an Alternativen und besserem Wissen.

1990 erfuhr er in seiner ersten Kung-Fu Schule von den inneren Kampfkünsten, was für ihn eine grosse Offenbarung war. Er verstand, dass eine Entwicklung stattfindet, eine innere Entwicklung, als Mensch hin zum Mensch-Sein. Das Besondere daran war für ihn, dass diese Reifung aus eigener Kraft durch die Methoden und die Anleitung und Leitung eines erfahrenen Lehrers erfolgt. So begann sein persönlicher Weg. Wie er sagt muss man sich auf diesen Weg voll und ganz einlassen, sich dem Unbekannten ebenso stellen, wie den vielen Fragen zu sich selbst.

Er studierte die Kampfkünste, inklusive Qi Gong und unterschiedliche Körpertherapien. 1997 begann er im Dao Zentrum in Mannheim selbst zu unterrichten. 1999 folgte die Übersiedlung in die Schweiz in Verbindung mit dem Studium und der Unterrichtstätigkeit am Kientalerhof  als residential teacher für Qi Gong. 1999 begann er auch das Studium des Qi Gong und Taiji bei Master Peng Wu Chi in Taiwan und 2007 das Studium bei Bruce Frantzis, Energy Arts in den USA.

Seit 2017 ist er nun als Einzelunternehmer selbstständig. Er gründete Path of Dao in Bern und folgte damit seiner Berufung. Er sieht die Notwendigkeit, einen Ausgleich zu bieten, zu den sehr komplexen Anforderungen der heutigen Gesellschaft, in der die Verbindung zu Ursprung und Natürlichkeit immer mehr verloren geht. Die traditionellen Methoden sind einfach, klar, nachvollziehbar und machbar. Sie sind über Jahrhunderte, wahrscheinlich über Jahrtausende überliefert und bewährt. Er weiß aus eigener Erfahrung und auch von den Menschen, die er unterrichtet, wie sich scheinbar verworrene Sachen klären und ordnen lassen.

Beim Unterricht wird er von einem Team fortgeschrittener Schüler als Assistenten unterstützt. Das Kursmanagement wird von Leuten vor Ort in der Schweiz, in Polen und in Deutschland übernommen. Path of Dao befindet sich als Organisation und Schule noch im Aufbau und es sind noch weitere Standorte geplant.

Unser Interviewpartner und Lehrer von Kampfkünsten Ron Timm

 

Ron, im Alter von 20 Jahren hattest du deinen erster Kontakt mit Qi Gong und Meditation. Inwiefern haben diese damaligen Erfahrungen deinen Lebensweg beeinflusst?

Ich hatte Glück in gute Hände zu kommen in meiner ersten Kung-Fu-Schule 1990. Damals gab es nicht viele Schulen. Ich hatte keine Ahnung, nur Fragen und Probleme, was das Leben halt mit sich bringt. Dort in dieser Schule war das Glück, dass ich zum ersten Mal in Kontakt kam mit dem, was ich als „Innenwelt“ bezeichne. Es gibt eine Innenwelt und eine Aussenwelt, und unser Leben findet halt nicht nur in der äusseren Welt statt – Gesellschaft Kultur, Nachbarn, Familie –  sondern auch, und zuallererst, in der Innenwelt.

Und so habe ich erfahren: es gibt Praktiken, Worte, ein Verständnis dafür. So wie man zum Beispiel Autofahren lernt in der Außenwelt gibt es auch Methoden und Praktiken die uns helfen einen Führerschein für die Innenwelt zu erlangen, um sicher von A nach B zu gelangen, um seine Ziele zu erreichen, irgendwo anzukommen. Und das war es wonach ich gesucht hatte und wohin ich meine Suche fortsetzen wollte.

 

Neben dem Qi Gong und der Meditation beschäftigst du dich heute zudem mit den Inneren Kampfkünsten und dem Taijiquan. Kannst du uns etwas mehr über diese Richtungen erzählen? Welche Stile gehören zu den Inneren Kampfkünsten?

Ich habe mich von Anfang an mit all diesen Teilgebieten beschäftigt. Meine erste Schule war eine Kung Fu Schule – es ging um Kampfkunst. Dann ist immer die grosse Frage: was ist Kampfkunst, innere und äussere. Da gibt es verschiedene Ideen. Heute sind viele Menschen abgeschreckt, wenn man von Kampfkunst spricht, weil sie sagen: ich kämpfe doch nicht, ich boxe doch nicht! Man denkt an physische Gewalt, an echte Gewalt.

Da ist schon ganz klar, dass kein Bewusstsein da ist dafür, dass die meisten Menschen beständig im Kampf sind. Alle sagen sie kämpfen nicht und das interessiert sie auch nicht, aber alle würden unterschreiben: sie haben Stress. Ich habe Druck, Stress. Was ist denn Stress anderes als ein beständiges Kämpfen? Stress ist Kampf-Flucht-Verhalten. Da haben wir schon den Kampf. Kannst du nicht Kämpfen dann lauf weg (Flucht). Wenn du nicht mehr kämpfen kannst dann fliehst du, wenn du nicht mehr fliehen kannst dann kämpfst du – Kampf-Flucht-Verhalten. Stress.

Alle haben Stress und alle kämpfen. Niemand sieht es, es ist aus unserem Bewusstsein verschwunden, dass wir kämpfen – und wenn wir schon alle jeden Tag kämpfen wäre es doch gut zu wissen warum, und zu wissen WIE man kämpft und wie man es stattdessen auch noch machen könnte.

Das ist für mich innere Kampfkunst, wenn du fragst. Es heisst nicht  im Äusseren mit jemandem zu kämpfen, sondern eher ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass es Kämpfe gibt, im Inneren und wie man diese kämpft, und wie man darüber hinausgehen kann! Hier kommt der „Kunst“-Aspekt ins Spiel, sonst wäre es ja nur „Kampf“. Aber Kampf-KUNST: wie wächst man darüber hinaus? Kunst ist ja immer ein Darüber-hinaus-gehen. Wenn ich mit mir kämpfe gewinnt niemand. Die Kunst geht darüber hinaus. Die Kämpfe hören auf. Erstmal geht es um Bewusstwerdung, dass die Leute erkennen, dass sie kämpfen, dann schaut man wie man kämpft, dann bringen uns die Methoden dahin, dass die Kämpfe aufhören, es kann innerer Frieden entstehen, ein inneres Befriedet-Sein. Nicht kämpfen, nicht fliehen – einfach Sein.

So gibt es eine Methodik der Inneren Kampfkünste, wovon Qi Gong, Taiji oder Meditation ein Teil sind, innerhalb derer wir uns mit subtilen Kräften und Energien befassen. Den Kampf muss man nicht gewinnen, der Kampf muss aufhören. Wir sprechen dann von diesen subtilen Kräften als Yin und Yang und die Frage stellt sich: können diese Extreme (Yin und Yang, hell und dunkel, Mann und Frau, gehen oder bleiben) miteinander sein, kooperieren, oder kämpfen sie?

Da kommt es nicht so sehr auf Stile oder Richtungen an, sondern darauf, was jemand will oder vermag, wie offen er ist, auf welcher Ebene jemand arbeiten möchte. So werden wir feiner und feiner in unserer Wahrnehmung, können immer subtiler navigieren und die Kräfte miteinander tanzen und sich vereinigen lassen.

Qi Gong wird als Teil der TCM zu medizinischen Zwecken genutzt

 

Welche Beschwerden bringen Personen nach deiner Einschätzung dazu, eine individuelle Kursstunde bei dir zu buchen? Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?

Die Frage zeigt eine Art von Verständnis das unserer Arbeit halt überhaupt nicht zugrunde liegt. Natürlich kommen Menschen beispielsweise mit Rückenschmerzen und wollen ein rasches Resultat. Aber für die bin ich meistens auch nicht die richtige Person. Wenn ich die Person bin dann, weil auch noch unterbewusst etwas mitkommt mit den Rückenschmerzen, was gelöst oder bearbeitet werden will.

Es geht halt nicht um dein persönliches Problem, sondern um ein Sich-öffnen, um ein Verständnis und Erspüren von inneren Dynamiken. Es geht ums Gewahr werden, darum Verantwortung zu übernehmen, diese Bereiche nicht mehr abgespalten, sondern damit zu SEIN.

Und ganz profan muss dazu gesagt werden, dass viele Rückenschmerzen oder sonstigen Beschwerden wirklich nicht sein müssten. Sie entstehen mit dem modernen Lebenswandel durch unsere Abspaltung von unserem Inneren, unserem inneren Gewahrsein, so dass Menschen nicht mehr wissen wie man sich bewegt, wie man sitzt oder atmet etc. Da kann eine Idee, ein Verständnis darüber wie so ein Körper, eine Wirbelsäule, ganzheitlich miteinander funktionieren beispielsweise schon vieles bewegen. Auch hier arbeiten wir mit dem Bewusstsein. Und so kommt sofort eine andere Ebene mit ins Spiel.

 

Die Retreats, die du organisierst, finden in Polen statt. Weshalb eignet sich vor allem Polen als Ort zur Meditation?

Wie auch das meiste andere im Entstehen von Path of Dao nicht einem vorgefertigten Plan folgt, sind wir auch nicht nach Polen gegangen, weil es Polen sein muss. Jeder Ort eignet sich für die Arbeit die wir machen. Polen hat  sich ergeben und ist inzwischen wirklich ein Ort, der die Arbeit optimal stattfinden lässt und unterstützt.

Das hat mit unseren Schülern vor Ort zu tun, die das mittragen und mitgestalten, mit Hingabe und Vertrauen, das hat auch mit den Schülern zu tun die uns aus der Schweiz und anderen Ländern nach Polen begleiten und sich so bereit erklären die Arbeit auf diese Art und Weise zu machen. Vielleicht hilft auch, dass Polen auf den ersten Blick keine Feriendestination wie Mallorca oder Ibiza ist.

Wir bieten keine Wellness-Ferien inklusive Qi Gong. Vielleicht ist das auch ein Aspekt. Allerdings hatten wir auch schon Retreats am Meer beispielsweise und werden dies bestimmt in Zukunft auch wieder anbieten. Wie gesagt kann und sollte die Arbeit überall stattfinden können, da es um innere Arbeit geht.

Tom gründete Path of Dao in Bern und folgte damit seiner Berufung

 

Jeder kann beginnen

Qi Gong und die damit verbundene mögliche Entwicklung ist nicht an ein Alter oder andere Voraussetzungen gebunden. Jeder Mensch kann zu jeder Zeit damit beginnen und den Weg zu seinem Inneren finden. Die sanften, meditativen Bewegungen sind kraftvoll und doch einfach und für jeden erlernbar, unabhängig davon, wie beweglich oder fit jemand ist. Vielen Dank an Ron Timm für dieses inspirierende Gespräch und den Einblick in seine Arbeit.

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