Mit Aufstellungsarbeit zu sich und zur inneren Freiheit finden

Veröffentlicht am 29 Oktober 2018 von Verena Arnold
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Menschen, die beim Psychologen Hilfe in ihrer aktuellen Lebenssituation suchen, sind sich häufig über ihre Motivation im Unklaren. Sie würden ja gern als erwachsene und selbstverantwortliche Personen handeln. In der Therapie stellt sich aber schnell heraus, dass in ihrem Unterbewusstsein oft kindliche Bedürftigkeit und jugendliches Aufbegehren der Antrieb für ihr Handeln sind.

Der 61-jährige Ruedi Eggerschwiler wohnt mit Frau und drei Kindern in Luzern, wo er auch aufgewachsen ist. Nach der Matura probierte er manches aus und studierte in Wien Philosophie und Musik. Ruedi wechselte dann aber zur Psychologie und studierte in Bern Arbeits- und Organisationspsychologie und schloss diese Studien mit dem Lizentiat ab. Seit 1996 ist Ruedi Eggerschwiler selbständig und bildet sich in seinem Fachgebiet ständig fort.

Ruedi bietet ein breites Leistungsspektrum an. Neben der psychologischen Beratung und Coaching für Beruf und Schule Stille-Meditation und Phänomenologische Aufstellungen, bei denen es darum geht, das eigene Potential erkennen und zur Entfaltung zu bringen. Sein Wirken ist stark bestimmt durch das Modell der Bewusstseinsentwicklung nach Wilfried Nelles und seine eigene 30-jährige Zen-Praxis.

Unser Interviewpartner Ruedi Eggerschwiler kann in vielen Angelegenheiten helfen

 

Schon vor über 30 Jahren hast du dein Interesse an der Psychologie gezeigt. Wie haben sich deine Therapiemethoden in all den Jahren verändert? Wie hat sich deine Aufstellungsarbeit weiterentwickelt und mit welcher Therapieform beschäftigst du dich heutzutage am meisten?

Mein Interesse galt immer schon dem Menschen selbst, die Art und Weise wie er mit sich und anderen umgeht und mit welchen Vorstellungen er durch das Leben geht. Zuerst arbeitete ich mit analytischen Modellen, mittels derer Menschen eingeschätzt und darin unterwiesen werden, ihren Vorstellungen gemäss zu leben. Die zentrale Frage war demnach, was will jemand vom Leben? Heute arbeite ich gerade umgekehrt. Heute arbeite ich mit der Frage im Hintergrund, was will das Leben von diesem Menschen, der mir im Moment gegenüber sitzt? So hat sich auch die Aufstellungsarbeit verändert und für mich weiterentwickelt. Die frühere Frage war kindlich, nämlich was wünsche ich mir vom Leben? oder schärfer formuliert, welchen Anspruch ans Leben habe ich?

Heute schaue ich mit den Klienten z.B. mittels eines Lebens-Integrations-Prozesses auf sein Leben mit der Frage, was hat das Leben mir bis heute   abverlangt, welches Potential hat sich da angehäuft und wo liegt der nächste kraftvolle Schritt? Ich beschäftige mich weder mit der Vergangenheit oder mit der Zukunft, sondern schaue lediglich, was sich jetzt zeigt und welches Potential will gesehen und aktiv werden, um in der momentanen Situation bestehen zu können.

Heute arbeite ich mit der Haltung aus der Zen-Meditation und dem Lebens-Integrations-Prozess. Die Haltung des Zen lehrt den ungeschminkten und nüchternen Blick auf die momentane innere und äussere Situation und der Lebensintegrationsprozess gibt mir die Mittel in die Hand, wie ich mit mir in Frieden komme und ganz im Jetzt sein kann.

 

Eine neue Form der therapeutischen Arbeit mit Aufstellungen ist der Lebensintegrationsprozess, womit du dich auch intensiv beschäftigst. Wie bereitest du dich für diese Therapieart vor und wie unterscheidet sich diese Therapieform von einer systemischen Aufstellung? Kannst du unseren Lesern den Ablauf in ein paar Sätzen schildern?

Der Lebens-Integrations-Prozess unterscheidet sich in wesentlichen Zügen von der herkömmlichen Aufstellungsarbeit. Theoretischer Hintergrund der Arbeit ist ein Modell der inneren Bewusstseinsentwicklung, wie es das erste Mal von Wilfried Nelles im Buch, «das Leben hat keinen Rückwärtsgang»  beschrieben wurde. Dabei beschreibt er die Entwicklung eines menschlichen Lebens in verschiedenen Stufen, die immer eine unterschiedliche Haltung zum Leben ermöglichen. Da ist zuerst einmal die vorgeburtliche Phase, die vor allem durch eine körperliche Symbiose mit der Mutter zu tun hat. Diese Phase endet mit der Geburt und darauf folgt die Kindheit. Hier löst sich die körperliche Symbiose auf und wird abgelöst von einer emotionalen Symbiose. Das Kind will es allen recht machen, um sich durch die Zugehörigkeit zur Familie sicher zu fühlen.

Auf der nächsten Stufe, der Pubertät, werden die Grenzen der Familie zu eng und der Jugendliche versucht, sein «eigenes Ding» zu machen. Dabei werden seine Vorstellungen und Bilder vom Leben zur Leitlinie und mit denen verbindet er sich dann. Man könnte hier von einer kognitiven Symbiose sprechen. Erst wenn er das alles durchgemacht hat und Sehen gelernt hat, ist der Mensch reif oder erwachsen genug, sich dem Leben so hinzugeben, wie es auf ihn zukommt. Ohne sich zurückzuziehen oder durch Konzepte zu versuchen, die Wucht des Lebens durch Erklärungsversuche abzumildern.

Bei einem Lebens-Integrations-Prozess sehen wir als erwachsene Menschen mit Liebe auf unsere Biografie, ohne sie verändern zu wollen und kommen so Schritt für Schritt mit unserem Leben in Frieden. Das ist die ganze Arbeit. Es braucht kein Anliegen, es geht nicht darum, etwas zu verändern, sondern es geht um ein bedingungsloses Ja zu seiner Biografie, von der Zeugung bis heute. Und dies aus dem Herzen heraus. Dann ist jemand ganz da, sieht die Situation, in der er jetzt steckt  und vertraut seinem Potential, um in der jetzigen Situation den nächsten Schritt zu tun.

 

Welche Art von Ausbildungen bietest du als Supervisor in deiner Praxis an? Was ermöglicht so ein Seminar und welche Zielgruppe sprichst du dabei an? Wie groß ist das Interesse an solchen Ausbildungen?

In meiner Praxis biete ich, zusammen mit der Achtsamkeitslehrerin Bettina Schneebeli von coplus, eine Grundausbildung für jedermann an, der sich für die innere Entwicklung von Menschen interessiert. Ziel dieser Ausbildung ist, in Frieden zu kommen mit seiner eigenen, letztlich alternativlosen Biografie. Das ermöglicht dann einen klaren Blick auf sich, seine Situation und seine Handlungsmöglichkeiten. Wer diese Ausbildung macht, kommt in eine andere Haltung zu sich, zu anderen und zur Welt. Dadurch kann sich sehr viel zum Guten ändern. So ist es uns wichtig, dass dieser Ausbildungsteil für alle Interessierten offen ist.

Aufbauend auf dieser Grundausbildung gibt es dann verschiedene Anschlussmöglichkeiten. Man kann sich als Aufsteller im Nelles Institut in Deutschland (www.nelles-institut.de)  ausbilden  oder es gibt die Möglichkeit, sich bei uns als betrieblicher Mentor, Supervisor/Coach oder als psychosozialer Berater weiter ausbilden zu lassen. Dies sind alles neuerdings eidgenössisch anerkannte Abschlüsse.

Das Interesse, besonders an den LIP Ausbildungen, ist erfreulich gross, da hier meiner Meinung nach die Psychologie wirklich neue Schritte geht. Ausserdem macht sie ihr emanzipatorisches Potential, was heute oft als Empowerment beschrieben wird, sicht- und greifbar.

 

Was sind die Voraussetzungen, um das Aufstellen zu erlernen? Gibt es deiner Erfahrung nach auch Aufstellungen ohne Lösung? Kannst du unseren Lesern einige Tipps geben, wie sie sich auf eine Aufstellung vorbereiten können?

Um Aufstellen zu erlernen, braucht es eine Liebe zu Menschen und zur Vielfalt, wie jeder sein Leben lebt. Es braucht die Fähigkeit, alle Konzepte und alles Gelernte im Moment der Begegnung zu vergessen und sich dem, was kommt, hinzugeben. Das braucht Mut, da so jede Aufstellung, jede Therapiesitzung  und jedes Coaching zu einer Reise ins Unbekannte wird. Durch diese Hingabe an das Nichtwissen passiert oft Neues und Unvorhergesehenes. Es braucht also eine Fähigkeit oder besser gesagt ein Vertrauen, sich ganz einer Situation zu überlassen, ohne dabei den Boden zu verlieren. Das heisst nichts anderes, als in der momentanen Situation verankert zu bleiben. Das lernt man vor allem, indem man sich immer mehr seines Selbst bewusst wird.

Die Frage nach Aufstellungen ohne Lösung würde ich umkehren. Gibt es Aufstellungen mit einer Lösung? Ich halte den Begriff der Lösung für ein Konstrukt, dass wenig mit dem Leben zu tun hat. Das Geheimnis des Lebens lässt sich nicht lösen. Das Leben geschieht und immer wieder werden wir mit Situationen konfrontiert, die eine mehr oder weniger grosse Herausforderung oder ein «Problem» darstellen. Manchmal wissen wir einfach nicht weiter. Dies passiert immer dann, wenn uns etwas innerlich zurückhält. Hier können Aufstellungen den Blick klären, was von der Vergangenheit ins Jetzt hinein spielt und was jetzt wirklich zu tun ist. Sobald dies in seiner Schärfe und Tragweite gesehen wird, kann der nächste Schritt gegangen werden.

Es braucht keine äussere Vorbereitung. Was es braucht, ist so etwas wie eine innere Vorbereitung. Es braucht eine Offenheit, sich auf einen Prozess einzulassen, den ich nicht kontrollieren kann und der mich mehr zu mir bringt. Wir leiden nämlich darunter, dass wir nicht zufrieden sind, so wie wir sind und so sein möchten wie wir nicht sind und auch niemals sein werden. Oder umgekehrt, will ich zu mir kommen, muss ich mich von meinem Bild, wie ich gerne wäre, verabschieden. Zum Beispiel ist ein 55 jähriger Mensch nicht mehr 30 Jahre, obwohl er oft so tut.

Die 7 Stufen von Kurt Egli

 

Die Gegenwart optimal nutzen

Jeder von uns trauert verpassten Gelegenheiten nach und hat Wünsche für die Zukunft. Das aber hat mit der Realität, die sich auf das Jetzt beschränkt, wenig zu tun. Wer sich diesen unrealistischen Träumereien zu sehr hingibt, versäumt die Chancen, die sich in der Gegenwart bieten. Die Aufstellungsarbeit nach Wilfried Nelles versöhnt den Menschen mit sich selbst. Er erfährt sich ungeschminkt und lernt, sich anzunehmen, um das Beste aus den ihm gegebenen Möglichkeiten zu machen.

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