Kreativ mit Nadel und Faden

Veröffentlicht am 18 März 2019 von Verena Arnold
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Neben der Haute Couture, die in den Mode-Metropolen der Welt kreiert und gezeigt wird und nur selten abseits der Laufstege tragbar ist, gibt es den Bereich der Mode, der Kleidung für den tatsächlichen Gebrauch schafft. Das Angebot ist extrem vielfältig und man sollte annehmen, dass für jeden etwas dabei ist. Trotzdem gibt es immer mehr Menschen, die sich ihre Kleidung gern selbst nähen möchten. Damit dies gelingt, ist es empfehlenswert, mindestens einen Nähkurs zu besuchen.

Wir haben mit Gabriela Schnyder von der Ecole de Couture in Siders gesprochen. Die verheiratete Mutter von 6 erwachsenen Kindern wurde 1966 in Stalden VS geboren und beschreibt sich selbst als sehr kreativ und, pragmatisch, als eine Visionärin, die Herausforderungen liebt und versucht, die Welt zu verbessern. Sie ist eine Macherin und handelt lieber als zu planen. Sie war, inspiriert von ihrer Mutter, schon früh fasziniert von Stoffen und was man daraus machen kann. So hat sie bereits in der Primarschule Kleider für ihre Puppen aber auch für sich selbst angefertigt, mit 14 Jahren sogar eine T-Shirt Kollektion für eine Boutique.

Zuerst sah sie dies aber eher als Hobby und absolvierte eine Handelsausbildung und war dann als Buchhalterin in einem technischen Betrieb tätig. Das Schneidern liess sie aber nicht los. Nachdem sie ihr Hochzeitskleid selbst geschneidert hatte, tat sie dies auch für Freundinnen. Daraus entstand ihre erste Geschäftsidee. Bereits mit 22 Jahren machte sie sich nebenberuflich selbstständig und fertigte Hochzeitskleider auf Mass. Als sie 25 war, hat sie die Lehrabschlussprüfung als Schneiderin nach Anerkennung der Berufserfahrung absolviert und 2008 die eidg. Berufsprüfung  gemacht und inzwischen auch eine Ausbildung zur Direktorin (Diplom of advanced studies : Direction et gestion d’une institution de formation)

Der Einstieg in die Selbstständigkeit war ihr möglich, da sie, als sie ihre eigene Boutique eröffnen wollte, mit ihrem Chef vereinbarte, die gleiche Arbeit in der halben Zeit zu leisten und das für 2/3 des bisherigen Lohns. So konnte sie den Sprung in die Selbstständigkeit für die ersten 2 Jahre ohne zu grosses finanzielles Risiko wagen und sich ganz auf ihre Kreativität konzentrieren. Aus familiären Gründen schloss sie die Boutique nach 5 Jahren und verlegte ihr Atelier in eine renovierte Scheune neben ihrem Haus. In dieser Zeit bildete sie bereits 4 Lernende aus.

2008 gründete sie auch schon die Ecole de Couture du Valais, die sie bis heute leitet. In der Ecole de Couture in Siders werden 45 Lernende, jeweils 15 pro Lehrjahr, zum  Bekleidungsgestalter, zur Bekleidungsgestalterin ausgebildet. Die 3jährige Ausbildung ist zweisprachig, deutsch und französisch und findet vollzeitlich in den modernen Ateliers der Schule statt. 5 Atelierleiterinnen und 3 Fachlehrer, sowie Sekretärin und Buchhalterin gehören zum Team.

Gegründet 2008 als Verein, vom Staat Wallis beauftragt und subventioniert, gestaltet sich die Arbeit so, dass hauptsächlich Kundenaufträge ausgeführt werden, wie Kleider nach Mass, Kleider für Vereine, Chöre, Firmen,. Kostüme für Theater, Tanz, usw., sowie textile Lösungen aller Art angeboten werden wie zum Beispiel Kleider für behinderte Menschen, Anpassungen der Uniformen für Hotelfachschulen, Umänderungen für Privataufträge,  Upcycling, und vieles mehr.

Die Lernenden werden für die Probleme bei der Rohstoffproduktion und bei der Herstellung von Bekleidung sensibilisiert, in der Hoffnung, dass sie später in Kaderfunktionen wichtige Entscheidungen treffen, die dazu beitragen, die Welt zu verbessern. Ausserdem werden öffentliche Nähkurse unterschiedlicher Art für interessierte Erwachsene  mit unterschiedlichem Kenntnisstand angeboten.

Unsere Interviewpartnerin Gabriela Schnyder betreibt eigenes Atelie

 

Gabriela, wann ist das Studio Couture entstanden?

Im Hinblick auf eine realitätsgetreue Ausbildung, haben wir 2013 die Boutique Studio Couture eröffnet, wo wir neben einem riesigen Stoff- und Mercerie-Angebot auch Kleider verkaufen, die die Lernenden Bekleidungsgestalter/innen hergestellt haben. Die Boutique ist unser Fenster zur Öffentlichkeit. Lernende machen Erfahrungen im Umgang mit Kunden, es ist die Annahme- und Ausgabestelle für Umänderungen, die die Lernenden ausführen. Die Boutique wird von  2 ehemaligen Lernenden total selbständig geführt.

 

Welche Shows sind besonders aufwändig gewesen?

Alle 2 Jahre findet eine grosse Modeschau im Rahmen der Walliser Berufsmesse statt. Alle Lernenden kreieren ein bis drei Modelle, die sie selber vorführen. Kleider, Choreographie, Musik und die Frisuren der Lernenden Coiffeur und Coiffeurinnen sind jedes Mal ein Highlight und Publikumsmagnet. Ferner gibt es immer wieder Anlässe, wo man Kleider und Kreationen der Lernenden präsentiert und ausgestellt.

Unvergesslich ist sicher die Kollektion von Holzkleidern, die wir für einen Grossanlass der Schreinermeister im Wallis hergestellt haben. Die Show hatte einen Riesenerfolg und wurde gleich für die schweizerische Delegiertenversammlung der Schreinermeister in Zermatt gebucht. Vor der Kulisse des Matterhorns bewunderten auch unzählige Touristen diese Kleider dann auch und Photos gingen noch am selben Tag rund um den Globus.

 

Wer kann an den öffentlichen Nähkursen teilnehmen? Wie oft finden diese statt? Welche Vorkenntnisse sind sinnvoll?

An unseren öffentlichen Nähkursen kann jedermann und jede Frau teilnehmen. Es sind keine Vorkenntnisse nötig, die Kursleiterinnen helfen jedem nach seinen Bedürfnissen. Aus diesem Grund wird die Mitgliederzahl auch auf 5 bis 8 Teilnehmende beschränkt.

Die Kurse finden wöchentlich an verschiedenen Vormittagen und abends in den modernen Ateliers der Ecole de Couture statt. Die Kurse dauern jeweils 2,5 Std. Maschinen und Bügelstationen stehen zur Verfügung. Die Teilnehmer bringen ihr eigenes Nähwerkzeug mit, können sich aber auch auf Platz in der Boutique mit allem Nötigen eindecken.

Für die öffentlichen Nähkurse händigt man auf Anfrage eine Bestätigung aus.

 

Welche Tipps könnt ihr Anfängern geben? Wie lange dauert es, bis man das Nähen beherrscht? Welche Nähmaschine könnt ihr empfehlen?

In den öffentlichen Kursen arbeitet jeder nach persönlichen Interessen und eigenem Rhythmus. Manche sind nach einem Jahr regelmässiger Kurse schon sehr nähsicher, andere machen auch autodidaktisch grosse Fortschritte und brauchen nur ab und zu Input von der Kursleiterin. Wieder andere kommen jahrelang in die Nähkurse und schätzen neben dem steten Ratschlag der Kursleiterin, und/oder den zur Verfügung stehenden Installationen, auch die Gemeinschaft mit den anderen Kursteilnehmern.

In der Ausbildung der Lernenden arbeiten wir vorwiegend mit Industriemaschinen. Für die öffentlichen Nähkurse stellen wir Bernina-Haushaltmaschinen zur Verfügung, die wir selber auch in der Boutique verkaufen. Wir sind sehr zufrieden mit der Qualität und der Zusammenarbeit von Bernina.

Für Nähkurse sind keine Vorkenntnisse nötig

 

Auch nähen will gelernt sein

Wer seine eigene Kleidung nähen möchte, braucht nicht nur passende Schnittmuster. Auch wenn moderne Nähmaschinen viele Möglichkeiten bieten, muss man doch erst einmal lernen, mit diesen Maschinen umzugehen. Selbst das zuschneiden der Stoffe ist nicht so einfach, wie man auf den ersten Blick annehmen mag. Um wirklich Freude daran haben möchte, seine Kleidung selbst zu nähen, ist es sinnvoll zuerst einen oder auch mehrere Kurse zu besuchen. Vielen Dank an Gabriela Schnyder für ihre Zeit und den Einblick in die Kunst der Schneiderei.

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