Faszination Schwertkampf

Veröffentlicht am 8 März 2020 von Verena Arnold
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Der Blick auf den Schwertkampf hat sich im Laufe der letzten Jahrhunderte massiv gewandelt. Früher wurden Schwerter, Messer oder Speere rein als Waffen gesehen, um Gegner angreifen und unschädlich machen zu können. Man musste sich selbst verteidigen und kämpfte nicht selten um sein Leben. In der heutigen Zeit ist dieser Aspekt der Waffen gänzlich weggefallen – nichtsdestotrotz üben sie eine gewisse Faszination aus. Viele sind neugierig, wie es sich anfühlt, mit einem Schwert zu kämpfen. Auch wenn dies lediglich der Unterhaltung dient und keinen ernsten Hintergedanken mehr hat – der Schwertkampf bleibt eine beeindruckende Disziplin. 

Ingo Litschka ist 51 Jahre alt und wurde in Pforzheim geboren. Er begann seinen Weg als freischaffender Künstler im Bereich Konstruktivismus und kam dann eher per Zufall zum historischen Fechten. Sie waren damals zu zweit und wollten nur mal das Schwert „probieren“. Er war unter anderem in Stuttgart auf der Kunstschule. Das Fechten kam erst Jahre später hinzu und wurde bei Walter Neubauer gelernt. Die erlernten Fertigkeiten brachten ihn auch innerlich weiter. Die Fähigkeit, komplexe Abläufe in Raum und Zeit schnell zu erfassen und darauf zu reagieren, faszinierten ihn. Mit jeder Lektion und mit jeder weiteren Waffe wurde es für Ingo Litschka spannender und er landete schließlich in seiner Schule. Diese wird von ihm allein geführt, wobei weitere Fechtanleiter in Ausbildung sind.

 

Ingo Litschka führt eine Fechtschule in Pforzheim

 

Ingo, wie und wann hast du deine Leidenschaft für den Schwertkampf entdeckt? Wie pflegst du diese privat?

Das Entdecken war eine längere Geschichte, denn als mein Onkel mich in Sportfechten aufbauen wollte, kam nicht nur eine Knieverletzung in den Weg. Ich wollte irgendwie damals nicht so recht. Erst viele Jahre später stolperte ich über das sogenannte historische Fechten, mit dem ich mehr anfangen konnte.
Privat werden dann eher die Stahlschwerter gepflegt, denn sie wollen nicht verrosten und verlangen immer wieder nach einer neuen „Streicheleinheit“. Dann bekommen sie ihr Öl.
Was außerhalb der Schule mit dem Fechtgedanken geschieht? Die Gedanken kreisen eben auch bei ganz anderen Tätigkeiten immer wieder mal um die Techniken. Was dann schlussendlich zum Schreiben meiner Bücher geführt hat, wie der modular nutzbaren Serie „System der Klingen“, in der die einzelnen Waffen für den interessierten Einsteiger schnell und einfach erklärt werden.
Ich ertappe mich allerdings auch so immer wieder dabei, dass ich plötzlich an einer Fechttechnik herum probiere, die mir nach all den Jahren nicht mehr gefallen will. Der Kopf macht dann freiwillige Überstunden. Das wird dann meist so eine Art Gedankenstretching.

 

Mit welchen Waffen wird in deinem Fechtverein gekämpft? Wie unterscheiden sie sich in der Anwendung?

Zum einen habe ich eine Schule und keinen Verein und hier werden fast alle Waffen vom ausgehenden 12. bis hin zum 19 Jahrhundert gelehrt. Diese lassen sich grob in drei Gattungen einteilen: Hieb-, Stoß- und Stangenwaffen.
Stangenwaffen sind alle Waffen, die an einem Stock oder einer Stange befestigt sind. Also verschiedene Speerarten, Mordäxte und Hellebarde. Bei ihnen muss man mehr noch auf die Körperhaltung achten als bei den Blankwaffen, denn sonst wird der Rücken Ihnen das übel nehmen.
Blankwaffen sind – wie der Name schon sagt – Waffen, die komplett aus Stahl bestehen und die man „blank ziehen“ kann. Die Kombination Schwert und Buckler (Faustschild) stammt aus dem 13 Jahrhundert und ist die älteste Handschrift, die wir kennen und nach deren Techniken wir fechten. Viele der später aufgezeichneten Techniken lassen sich hier schon finden.
Das spätere Langschwert verzichtet weitestgehend auf einen Schild, es kann mit seiner Parier und entsprechenden Techniken die Angriffe auch so parieren. Es ist eine Mischform aus Stoß- und Hiebwaffe und stand dem Adel zu. Sein bürgerliches Pendant war das lange Messer, das allerdings meist einhändig geführt wurde. Dennoch schenken sich diese beiden Allrounder nichts. Beide sind sowohl in Hieb, Stich als auch Schnitt zu nutzen.
Keine davon schlug auf Rüstungsplatten. Dafür hatte man bessere Tricks auf Lager. Beide können hingegen ankommende Schläge oder Hiebe sehr gut mit ihren Parierteilen ableiten und so die Kraft des Gegners gegen ihn selbst nutzen. Nur dass man beim Einhandschwert wie auch dem einhändig geführten langen Messer die Schläge sauber ziehen muss, denn anders als bei Stangenwaffen und dem langen Schwert fehlt hier die Hebelkraft der zweiten Hand.
Das wieder einhändig gefochtene Rapier ist eher eine Stoßwaffe und wie sein Nachfolger, der Hofdegen, steht hier eher der Stich im Zentrum des Fechtens. Wobei der Hofdegen selten über viel Parierstange verfügt. Somit kann man mit ihm keinen voluminösen Griffkorb oder eine sogenannte Glocke nutzen. Andererseits macht ihn das sehr leicht und schnell in kleineren Radien. Beim Säbel verhält es sich genau umgekehrt. Mit ihm schlägt man lieber als damit zuzustechen.

 

Welche Schutzausrüstung ist für deine Kurse unverzichtbar? Mit welcher Marke hast du die besten Erfahrungen gemacht?

Unverzichtbare Schutzausrüstung braucht man bei mir nicht. Aber ab einem gewissen Moment ist sie sinnvoll. Wobei die Sachen selbst gar nicht spektakulär sind. Man braucht eine fürs historische Fechten brauchbare Maske (zum Beispiel von Allstar), eine Weste wie sie Petterson liefern kann und eben Handschuhe, dann ist schon eine Menge möglich.
Um mal einen kleinen Teil zu nennen, wenn man mit Stahl ins freie Üben geht und den Fechter abpuffern muss. Das geht bei Turnieren dann so weit, dass auch noch zusätzliche Schutzteile auf Ellbogen, Schulter und Knie kommen müssen.
Es gibt für Einsteiger oder leichte Gefechte natürlich auch genau den umgekehrten Weg, dass man gepufferte Waffen nutzt, damit man nur eine Fechtmaske braucht.
Es kommt immer darauf an, was man üben will, um den Schutz auszusuchen.

 

Wie viel Übung bedarf es, um die alte Kunst des Schwertkampfes zu erlernen? Warum ist das so schwer?

Das ist sehr unterschiedlich, denn wann beim Lernenden der Knoten platzt, das kann man vorher nicht sagen. Bis dahin kann es etwas zäh sein, aber es kommt dieser Moment, in dem die gelernten Bausteine an ihren Platz fallen und das System sichtbar wird. Dann gibt es einen Verständnissprung und es wird leichter. Also kann man es nicht allgemeingültig in Stunden einteilen. Nur so viel, einmal in der Woche die Blankwaffe anschauen, das wird nicht reichen.
Warum das so schwer ist fragen Sie mich?
Nun, das kann ich Ihnen nicht sagen, denn so schwer ist es ja gar nicht. Weder das Schwert selbst, das eben nicht von „schwer“ kommt. Sogar das lange Schwert, das gerade mal 1,5 kg wiegt und sich mit zwei Händen leicht führen lässt, ist nicht so schwer zu lernen.
Es kommt eben nur darauf an, aus welchem Blickwinkel und mit welcher Methode gelernt wird. Ist es die Falsche, dann kann es zu Verständnisproblemen kommen und schwer werden, sonst eigentlich nicht.
Was es dazu braucht, ist einfach Beständigkeit und auch mit kleinen Fortschritten zufrieden sein zu können. Und eine realistische Einschätzung der eigenen Person. Macht man sich die Ziele zu früh zu hoch, dann wird es schwer. Sonst ist es ein eher leichtes Lernen, das nicht nur den Körper beweglich macht, sondern auch den Geist vom Alltag befreit.

Bei Ingo Litschka kann der Umgang mit den verschiedensten Waffen gelernt werden

Ungewöhnlich und nicht schwer zu erlernen

Die eigene Freizeit mit Schwertkampf zu verbringen, ist zwar kein alltägliches Hobby, aber erfreut sich zunehmender Beliebtheit bei Mann und Frau. Denn Frauen sind durchaus in der Lage, im Fechten mit dem Schwert für so manche Überraschung zu sorgen.

Bei Ingo Litschka kann der Umgang mit den verschiedensten Waffen gelernt werden, die zwischen dem 12. und 19. Jahrhundert populär waren. Dabei wird grob in Hieb, Stoß- und Stangenwaffen unterschieden.

Es gibt natürlich auch für diejenigen, die wenig Schutz tragen wollen gepufferte Trainingswaffen, mit denen sich viel lernen lässt. Der Spaß kommt dabei auch nicht zu kurz.

 

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