Die Herausforderung Familienbetrieb erfolgreich meistern

Veröffentlicht am 31 März 2020 von Verena Arnold
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Unternehmen sind nicht selten als Familienbetriebe aufgebaut. Der Vater hat es gegründet oder selbst von seinem Vater übernommen, die Ehefrau ist im Büro tätig und der Sohn oder die Tochter beginnen ihre berufliche Karriere ebenfalls im hauseigenen Betrieb. Dies kann sehr erfolgreich sein, da man sich in der Familie vertraut, zusammenhält und gemeinsam an einem Strang zieht. Allerdings bieten Familienbetriebe auch ein hohes Konfliktpotenzial. Man streitet sich oft oder trägt Probleme mit nach Hause an den Esstisch. Die Dynamik in Familien ist grundverschieden zur Struktur eines herkömmlichen Unternehmens. Um ein harmonisches Zusammenarbeiten zu ermöglichen, muss man als Familie viel lernen, damit man nicht an der Aufgabe zerbricht.

Dr. Manuela Mätzener ist 52 Jahre alt und stammt aus Linz. Ihre Freunde sagen oft, „wer mit Manuela durch eine Tür geht, hat das Gefühl, dass sie immer schon offen war”. Sie vertiefte sich sechs Jahre lang in Graz an der Karl-Franzens-Universität in die Geisteswissenschaften  wie Deutsche Philologie, Psychologie, Philosophie, Soziologie/Pädagogik und Medienkunde und ist damit als Basis für ihre weitere Berufsausbildungen als Coach, Lehrtrainer und Leiterin von “Systemische Aufstellungen – Familie, Struktur, Organisation” sehr glücklich. Zunächst aber war sie mit ComCom – Netzwerk für Kommunikation (www.comcom.co.at) im Bereich interner und externer Kommunikation tätig. 1998 eröffnete sie ihre eigene Praxis und arbeitete als Trainerin. Parallel dazu war sie viele Jahre mit Kaweh & Mätzener mit Systemischen Aufstellungen auf die Bereiche Partnerschaft, Erziehung und Gesundheit spezialisiert.

Als selbstständige Beraterin ist sie seit 1992 tätig – zunächst allein, dann in zwei Netzwerken mit einmal einem und einmal zwei Geschäftspartnern. Insofern hatte sie also immer schon die Idee, dass 1+1=3 ist, sprich ein Mehrwert durch das Zusammenlegen von Potentialen entsteht. Sie hatte in der 2011 mit Mag. Gerda Ruppi-Lang gemeinsam gegründeten GmbH eine angestellte Mitarbeiterin im Bereich interner und externer Kommunikation. Seit 2012 ist sie Alleineigentümerin und arbeitet aktuell mit einem Experten-Team von 15 Personen interdisziplinär aus den unterschiedlichen Fachbereichen zusammen.

Ihr heutiger Schwerpunkt auf Familienbetriebe hat sich entwickelt aus ihrer Absicht, 2005 ein Reiseunternehmen mit Sitz in St. Gallen zu kaufen und nach Österreich holen zu wollen. Dabei sind der Verkäuferin und ihr – trotz Zuziehen von Branchenexperten, Unternehmens- und Steuerberater – emotionale „Fehler“ passiert, welche sie die Kaufoption wieder zurücklegen ließ. Aufgrund dieser Erfahrung interviewte sie bis 2007 mit ihrem Kollegen Dr. Guido Schwarz 100 geglückte und gescheiterte Familienbetriebe vor, während und nach der Übergabe. So entstand das Buch “Mätzener, Manuela; Schwarz, Guido: Erfolgreiche Betriebsübergabe in Familienunternehmen. Emotionen – Konflikte – Perspektiven. Wien: Linde Verlag 2008”. Damit war ihr neuer Betriebsschwerpunkt geboren. Mit ifub ist sie auf die emotionale Begleitung von Familienbetrieben spezialisiert – einerseits in der ganzheitlichen Unternehmensführung, aber auch in der Nachfolgebegleitung.

Unsere Interviewpartnerin und Beraterin Dr. Manuela Mätzener

 

Manuela, welcher Teil deiner Arbeit bereitet dir besonders viel Freude und warum?

Ich bin eine gute Diagnostikerin und vergleiche ifub gerne mit einem Ärztezentrum, wo bei Bedarf auf die einzelnen Fachärzte zurückgegriffen werden kann. Mir bereitet das Erfragen der Kernthematiken in der direkten Arbeit mit den Eigentümern, Gründern und Unternehmerpersönlichkeiten große Freude. Ich möchte meine Klienten und Kunden wieder mit ihrer eigenen Kraft in Verbindung bringen und sie befähigen, etwaige Probleme selbst lösen zu können.

 

Wenn du die klassische Familienaufstellung mit der Organisationsaufstellung miteinander vergleichst, in welchen Bereichen treten Ähnlichkeiten auf und in welchen Bereichen unterscheiden sie sich zur Gänze? Was würdest du sagen, wenn dir jemand sagt, dass diese beiden Aufstellungsarten eng miteinander verbunden sind?

Familien und Betriebe folgen unterschiedlichen Prinzipien. Für Familien gilt das Prinzip der Zugehörigkeit. Das bringt Zusammenhalt und Kraft. Die Ordnung des Geldes beruht auf Austauschbarkeit. Das bringt hohe Flexibilität und Freiheit. Die Ordnung der Familie ruht auf sexueller Reproduktion, die Ordnung des Geldes auf dem (Über)Leben am Markt. Aber sowohl bei Familien als auch in Unternehmen gilt das Prinzip des Ausgleich(en)s. Die Kombination ist schwierig und fruchtbar zugleich.
Insofern unterscheiden sich Herangehensweise und Blickrichtung innerhalb der Systemaufstellungen. In Familienbetrieben ist es so, dass dort tendenziell die Dynamik des Familiensystems Vorrang vor der Dynamik der Organisation hat, was sich mitunter problematisch auf die Bewältigung der Organisationsaufgabe auswirken kann.
Im System Familie ist das Bewahren und Erinnern der Vergangenheit fundamental, um eine gemeinsame Zukunft zu haben. Dem entgegengesetzt ist das nötige Ziel einer Firma, um erfolgreich zu sein, nach vorne in die Zukunft schauen, um eine gemeinsame Geschichte zu haben. Einerseits helfen also das Bewahren und Erinnern, um das Unternehmen zu erhalten, andererseits besteht die Gefahr, nötige Innovationen nicht in Angriff zu nehmen, was den Unternehmenserfolg gefährden kann.


Drei Beispiele:


  1.     Bindung/Zugehörigkeit/Loyalität: Im Unterschied zu Familien, wo man auf einer tieferen Ebene immer dazu gehört, ist es in Organisationen eine Tatsache, dass die Zugehörigkeit und der Austritt sowohl von Seiten der Firma, als auch von der Seite des Mitarbeiters einer freien Entscheidung unterliegen. Niemand muss in eine Organisation eintreten und niemand muss drin bleiben. Keine Organisation muss jeden aufnehmen, der gerne rein will und keine Organisation muss jemanden unter allen Umständen behalten. Die Zugehörigkeit in Organisationen kann man also aufkündigen, die in der eigenen Familie nicht!

    2.      Ordnung/Hierarchie/Rangfolge: In der Familie gibt es eine existentielle Koinzidenz zwischen Platz und Person. Den Platz meines Vaters kann nur die Person meines Vaters einnehmen, niemand sonst. Vaterfunktion übernehmen kann auch eine andere Person. In Organisationen ist dies genau umgekehrt. Organisationen leben davon, dass jeder Platz von unterschiedlichen Personen eingenommen werden kann, und dass ein und dieselbe Person in einer Organisation im Laufe der Zeit unterschiedliche Positionen einnehmen kann. Speziell im Übergabeprozess wird dies virulent und oft problematisch.

    3.      Ausgleich/Beitrag: In der Familie ist in der Regel die Richtung von Geben und Nehmen vorbestimmt: die Eltern schenken das Leben, welches Kinder nur weiter, aber nie zurückgeben können. In Firmen hängt dies im Unterschied dazu vom individuellen Beitrag ab, den der Einzelne für das System leistet. Aus dem Gleichgewicht gerät ein System in dem Moment, in dem jemand entscheidend mehr gibt als ein anderer, denn eine „innere Kontoführung“ registriert unbewusst Soll und Haben und verlangt nach Ausgleich.

 

Was gehört zur Grundausstattung deiner täglichen Arbeit mit Kunden? Welche Utensilien hast du immer dabei, damit du auch auf spontane Wünsche und Ereignisse deiner Kunden besser reagieren kannst? Welche weiteren Hilfsmittel setzt du bewusst ein, damit deine Arbeit erleichtert wird?

Mein Auto ist voll mit systemischen Materialien: Playmobil-Figuren, Bauklötzen, Steinen, Systembrettern, meiner geliebten „Triadentasche“ von Gabriela von Witzleben, Kartensets und Moderationskoffern. Ich arbeite sehr spielerisch und ressourcenorientiert. Und je nach Kontext und Zielgruppe kommt das eine oder andere Material besser an. Aber da Aufstellungsarbeit im Einzelsetting überall seine geeigneten Repräsentationen findet, habe ich garantiert immer alles dabei, was ich für meine Arbeit brauche – nämlich mich und meinen Humor, meine Lebendigkeit, meine Kreativität, meine Lösungs- und Zielorientiertheit.

 

Du bietest auch den sogenannten 7-Tore-Check an. Kannst du diesen etwas näher beschreiben? Wie läuft der 7-Tore-Check genau ab? Für welche Zwecke wird dieser eingesetzt? Welche Ziele werden beim Einsatz indirekt verfolgt? Was ist der Vorteil einer Durchführung des 7-Tore-Checks?

Der 7-Tore-Check ist ein grandioses Analysetool, um ein Unternehmen ganzheitlich zu betrachten und möglichen Beratungs- und Handlungsbedarf zu reihen und zu gewichten – immer mit Blick auf den unternehmerischen Erfolg. Der 7–TORE–Check ist eine Serie von Fragen, die ein Teammitglied von ifub mit dem Eigentümer oder leitenden Angestellten durchführt. Die Analyse einzelner Erfolgsfaktoren folgt einem vorgegebenen Prozess, in dem sieben Themenkreise abgefragt werden. Diese sind: Unternehmer und Familie, Unternehmensleitbild, Angebot und Markt, Team und Umfeld, Positionierung und Marke, Kunden und Vertrieb, Geschäftsmodell und -steuerung.

Familienbetriebe bieten ein hohes Konfliktpotenzial

 

Spezialisierung: erfolgreiche Begleitung von Familienbetrieben

Familienbetriebe bieten ein hohes Konfliktpotenzial. Dr. Manuela Mätzener macht es sich zum Ziel, diese Familie zu unterstützen und sie beispielsweise bei einer erfolgreichen Betriebsübergabe zu begleiten. Problematisch in der Konstellation von Familien in Unternehmen sind vor allem die Aspekte Bindung und Zugehörigkeit, Ordnung und Hierarchie, sowie Beitrag und Ausgleich. Dr. Manuela Mätzener behandelt die Kernthemen zusammen mit ihren Kunden und zieht dabei viele Hilfsmittel heran – sie arbeitet gerne spielerisch und ressourcenorientiert. Ein weiteres wichtiges Tool ist der 7-Tore-Check, der verwendet wird, um Unternehmen anhand von sieben Themenkreisen zu analysieren und den Beratungsbedarf einzuschätzen. 

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