Das stille Handwerk des Buchbinders

Veröffentlicht am 31 Oktober 2018 von Verena Arnold
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Bücher und Zeitschriften sind alltägliche Gegenstände, mit denen sich fast jeder regelmäßig beschäftigt – seien es nun Lehrbücher, Kochbücher, Protokolle, Fotoalben oder Magazine. Mittlerweile sind sie nicht mehr besonders teuer; sogar in Supermärkten, Kiosken und Flughäfen erhältlich; und können von jedem gehandhabt werden. Daher werden sie von vielen Menschen für selbstverständlich gehalten. Dabei steckt hinter der praktischen Entstehung eines Buches ein beachtlicher Arbeitsprozess.

Buchbinder Beat Gschwind aus Therwil kann uns einen Einblick in den Beruf geben. In der Schule war ihm das Buchbinden zum ersten Mal nahegebracht worden und gefiel ihm auf Anhieb. Danach machte er eine Schnupperlehre in einer Buchbinderei in der Region Basel und entschied sich somit für seinen Beruf. Seine Handbuchbinderei-Lehre hat er von 1992 bis 1996 absolviert und direkt anschließend die Buchbinderei seines damaligen Chefs und Lehrmeister Paul Guttmann übernommen, die in 1876 von Heinrich Fischer-Gunauer gegründet worden war. Fischer-Gunauer war auch Mitbegründer der traditionsreichen Papeterie PAPYRUS – jetzt Zumstein. 1901 trat er die Buchbinderei an Mitarbeiter Karl Belz ab; 1939 übergab dieser die Buchbinderei, inklusive Wohnhaus, seinem Sohn Walter Belz. In 1972 übernahm dann Gschwinds damaliger Lehrmeister Guttmann das Geschäft, bevor schließlich Gschwind sie von 1996 an leitete. 2007 bis 2008 hat sich der heute 44-jährige zudem zum Papier- und Buchrestaurator in Ascona/TI weiterbilden lassen.

Mit viel Freude, Ansporn und Fachkenntnissen gelang es ihm, seinen Wunschtraum umzusetzen: 1997 wurde die Buchbinderei vom jetzigen Wohnhaus-Besitzer komplett auf Gschwinds Bedürfnisse zugeschnitten umgebaut und eingerichtet. 2003 wurde die Fassade auch noch renoviert und seitdem prangt über dem großen Tor der Namenszug „Buchbinderei Beat Gschwind“ obwohl Gschwind mittlerweile nicht mehr an diesem Standort ist. Somit zog Gschwind glücklicherweise nur ein Haus weiter nach oben am Gemsberg. Sogar die Hausnummer ist die gleiche wie vorher, nur hat sie jetzt zusätzlich noch ein A dahinter. Es hat sich aber sonst alles geändert: die Buchbinderei ist nun auf zwei Etagen, im Erdgeschoss ein kleiner Laden und im Untergeschoss eine 150qm2 große Fläche, in der die Buchbinderei mit Druckerei – Digitaldruck – und seit sechs Jahren mit einem Buchantiquariat mit zirka 20‘000 Büchern zu Hause ist.

Durch die Übernahme des Buchbestandes des im Sommer 2018 geschlossenen „Buch-Antiquariats Koechlin“ am Spalenberg in Basel, hat sich die Qualität der Buchauswahl und deren Wert enorm gesteigert und natürlich auch die Quantität. So darf man das Bücherlager mit 50‘000 Büchern nicht vergessen, welches dazugehört, aber an einem anderen Standort ist. Weitere Informationen dazu findet man unter www.buech-antiquariat.ch. Nach 22 Jahren, in denen er fast immer alleine war – außer kurzen Einsätzen von Hilfskräften aus dem Bekanntenkreis – hat Gschwind zudem einen Praktikanten eingestellt, dem er die Kunst des Buchbindens und Restaurierens näher bringt, und der ihn im Buch-Antiquariat sehr stark unterstützt, da er gelernter Buchhändler und Antiquar ist.

Hobbymäßig spielt Gschwind in der Musikgesellschaft Concordia Therwil seit 25 Jahren Waldhorn und ist auch in der Musikkommission als deren Präsident und Notenarchivar tätig. Nebst seinem Beruf füllt das seine freie Zeit fast schon aus. Den Rest der Zeit verbringt er mit seiner Familie, Freunden und Fahrradtouren.

Auch Abschlussarbeiten können bei unserem Interviewpartner Beat Gschwind gedruckt werden

 

Beat, das Gros der Bücher wird heute industriell gebunden. Welche Aufgaben entfallen auf den Handbuchbinder und wer sind deine Kunden?

Als ich 1996 die Buchbinderei übernahm, war es schon so. Der Handbuchbinder machte damals wie auch heute nur Kleinauflagen ab 1 Stück bis je nach Wunsch des Auftraggebers, Maximum 500 Exemplaren. Da ich seit sieben Jahren Digitaldruck anbiete, kann ich natürlich von A-Z alles am gleichen Standort machen. So muss ich nicht von anderen Druckereien den Inhalt zur Weiterverarbeitung übernehmen. Die Kunden sind auch eher bereit etwas hier zu binden, wenn sie es auch gleich hier drucken lassen können. Die Kunden, die dies vor allem in Anspruch nehmen, sind Schüler und Studenten, die ihre Abschluss-, Matura-, Bachelor-, Vertiefungs-, Diplom-, Masterarbeiten oder Dissertationen drucken und binden lassen wollen. Solange sie es noch gebunden abgeben müssen und nicht nur noch digital sind, sind sie die besten Kunden; darum behandle ich sie auch prioritär, das heißt ihre Arbeiten behandle ich zuerst oder schiebe eine Nachtschicht, wenn es eilt. Und es eilt fast immer.

Etwa 90 % der Kunden sind Privatleute, die etwas zum Binden oder auch drucken bringen. 1996 war es noch umgekehrt, aber durch die Digitalisierung ist der Buchbinder für die vielen Fachbibliotheken in Chemie-Firmen, Spitäler, Banken, Universität, Verwaltungen nicht mehr gefragt. Nur vereinzelt kommt von diesen Gruppen noch Arbeit. Die Berufsgruppen, von denen man auch in der heutigen Zeit etwas bekommt, sind Anwälte oder Notare und Gemeinden, die ihre Protokolle binden lassen müssen. Da ich mich neben dem Druck auf die Restaurierung und Reparatur von Büchern spezialisiert habe, hatte ich bis jetzt immer genug Arbeit.

Außer Bücher mache ich aber auch noch Kartonage: Schachteln, Boxen, Handy-Hüllen, Mappen und so weiter in allen Formen, Größen, und Ausführungen. Die Kunden dazu sind vor allem Private, Künstler, Bijouterien, Gastronomie und die Regierung, wenn Verpackungen für Geschenke bei Staatsbesuchen gebraucht werden. Man muss sich laufend neue Dinge ausdenken, was Kunden anziehen könnte. Ein Buch, welches ich nur einmal im Jahr herstelle und das sehr viele Leute anzieht, ist das Basler-Wunschbuch (70×100 cm/880 Seiten, zirka 35 kg), welches während der Adventszeit im Basler-Rathaus für die Wünsche der Bevölkerung und Besucher aufliegt. Wenn also jemand für einen bestimmten Anlass ein (überdimensioniertes) Buch haben will, dann soll er Kontakt mit mir aufnehmen.

 

Gibt es Überschneidungen zwischen der Industrie- und Handbuchbinderei und arbeitest du für gewisse Aufgaben mit Industriebetrieben zusammen?

In meinem Fall nicht. Früher musste ich manchmal für Verlage einzelne Seiten auswechseln, die falsch gedruckt wurden. Heute wird die Auflage eingestampft und neu produziert oder sie lassen es mit einer eingelegten Notiz so durchgehen.

 

Im Zuge der Digitalisierung erscheinen gerade im Wissenschaftsbereich viele Zeitschriften nur noch elektronisch. Damit entfällt nicht nur der Druck, sondern auch das Ausrüsten und Binden. Wie stark spürst du diese Entwicklung?

Wie bei Frage 1 schon erwähnt, ist in diesem Sektor fast nichts mehr da. Bei mir ging es nicht darum die einzelnen Heftchen zu binden, sondern die einzelnen Heftchen zu einem Buch für die Fach-Bibliotheken zusammenzubinden und mit einem Einband zu versehen. Da es nun digital vorhanden ist, hat es in diesem Sektor, was früher 90% der Arbeit ausfüllte, fast nichts mehr. Das ist natürlich sehr stark spürbar. Die regelmäßigen Aufträge und sichere Einkommen fehlen gänzlich.

 

Heutzutage muss immer schneller und günstiger produziert werden. Gibt es Möglichkeiten, den überwiegend handwerklichen Arbeitsprozess rationaler zu gestalten? Wie schaffst du es, gegenüber Großbetrieben konkurrenzfähig zu bleiben?

Ich bin sehr flexibel und trau mich auch an Herausforderungen,. Zum Beispiel, Dinge zu tun, die ich noch nie gemacht habe und zu denen es auch keine Anleitungen gibt. Die Technik des Bindens steht nicht still, man kann immer etwas optimieren und rationellere Techniken einsetzen, umso Zeit und Geld einzusparen. Wenn man Ideen hat, diese auch umsetzen kann und diese bei den Kunden gut ankommt, hat man immer eine Überlebenschance in diesem Beruf. Je breiter das Angebot ist, desto besser, zugleich muss jedoch auch die Qualität stimmen. Nur so kann man sicher sein, dass man auch weiterempfohlen wird. Mund-zu-Mund-Propaganda“ ist die beste Werbung.

Durch den zusätzlichen Digitaldruck, Online-shop – in dem ich selbstgemachte Produkte anbiete -, und dem Buchantiquariat bin ich recht breit aufgestellt; aber es ist trotzdem viel schwerer geworden als früher. Viele haben eine zu „blumige“ oder gar keine Vorstellung über diesen Beruf. Es ist knallhartes Business und man muss schauen, dass man jeden Monat durchkommt.

Hier können Interessenten mehr herausfinden:

Stamm-Homepage Buchbinderei: www.handbuchbinderei.ch

Buch-Antiquariat: www.buech-antiquariat.ch

Online-Buchbinderei (Digitaldruck): www.online-buchbinderei.ch

Online-Shop : www.shop.online-buchbinderei.ch

Beat restauriert auch alte oder defekte Bücher

 

Vielseitigkeit von Buchbindereien zu seinem Vorteil nutzen

Wer sich lange mit seiner Abschluss-, Matura-, Bachelor-, Vertiefungs-, Diplom-, Masterarbeit oder Dissertation beschäftigt hat, sodass er letztendlich unter Zeitdruck steht, kann womöglich zumindest durchatmen, wenn es um Druck und Binden der Arbeit geht. Im digitalisierten sind Schüler und Studenten nämlich die besten Kunden eines Buchbinders und bekommen mit etwas Glück ihre Arbeiten schnell erledigt. Aber auch so lohnt es sich, in einer Buchbinderei hereinzuschauen, da man auf interessante und kreative Artikel stoßen kann.

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