Aikido, eine Kampfsportart bei der es nicht um Kampf geht

Veröffentlicht am 7 November 2018 von Verena Arnold
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Dies klingt paradox, aber tatsächlich ist es so, dass Aikido nur der Verteidigung dient und nicht das Ziel hat, den Gegner zu verletzen. Dies ist wahrscheinlich der Grund, warum sich Aikido immer größerer Beliebtheit erfreut. Dazu kommt, dass es für jeden Menschen, unabhängig vom Grad der Fitness und des Alters, geeignet ist. Kinder lernen durch Aikido Selbstbeherrschung und Respekt gegenüber dem Leben und ältere Menschen können sich mit Aikido körperlich und geistig fit halten. Für alle Teilnehmer ist es eine Quelle für körperliches und geistiges Gleichgewicht, fördert Kraft und Entspannung gleichermassen.

Wir haben mit dem 40-jährigen Eric Graf gesprochen, dem technischen Direktor der Aikido-Schulen in Neuenburg, Biel und Val-de-Ruz. Der Doktor in Statistik und Vater von 3 Kindern hat den 5. Dan in Aikido und ist gemeinsam mit seiner Frau Sonja verantwortlich für diese Aikido-Schulen, in denen zudem 6 Trainer und Trainerinnen tätig sind. Des Weiteren ist er zuständig für die Aikido-Erwachsenenkurse und für die Ausbildung der Trainer, sowie Lehrer für Japanisches Yoga – Genkikai und Hojo (Säbelkunst). Ebenso ist er Herausgeber des internationalen Journals für Aikido San Shin Kai Letter und Autor von 3 Büchern.

Ursprünglich zu es ihn zur Astronomie, die ihn bereits seit seinem 11. Lebensjahr begeisterte, so dass er bereits mit 13 Jahren sein erstes Buch über das Solarsystem als Rezension und Synthese des damaligen Wissens geschrieben hat. Auf Empfehlung seiner Lehrer nahm er schon als Schüler an Wissenschafts-Wettbewerb „Schweizer Jugend Forscht“ teil und gewann einen excellence Preis, von dem er sich ein Teleskop kaufen konnte. Selbstverständlich entschied er auch zu Studienbeginn für die Astronomie, war aber enttäuscht, dass dieses Studium so gar nichts damit zu tun hatte, was ihn an der Astronomie so faszinierte. Als Alternative erprobte er die Elektronik Physik und kam dann zur Mathematik, da ihm dieses Studium konkreter und nützlicher erschien.

Zu dieser Zeit begann er auch mit Aikido und war sofort begeistert von der Kombination zwischen Körperbeherrschung und philosophischer Betrachtungen. Nach 3 Jahren ging er nach Zürich, um dort mathematischen Ingenieur zu studieren und  Aikido im Ikeda-Dojo in Zürich zu trainieren, um sich seinem Meister Masatomi Ikeda Sensei zu nähern. Mathematik erlaubt es, viele Phänomene zu erklären. Sie hat historisch eine intime Verbindung zur Philosophie. Mit der Erfahrung, die aus der Beobachtung kommt, merkte er, dass ihm die Struktur und die Systematik der Mathematik eine willkommene Hilfe im Unterrichten des japanischen Yogas und des Aikidos anbietet. Unterstützt von seinen Meistern übernahm er bereits mit 22 Jahren die Leitung des Ikeda-Dojo von La Chaux-de-Fonds.

Im Jahr 2003 führte der Beruf im Statistikwesen ihn zurück in die Region von Neuchâtel und übernahm 2005, zusammen mit seiner Frau Sonja, die Leitung der Aikidoschule Neuchâtel, um 2006 das “Dojo de Neuchâtel – Espace Culturel“ zu gründen.

Eric Graf reduzierte nach und nach seine Arbeit in der Statistik, um sein Engagement in Aikido, japanischem Yoga und Meditation zu vermehren. Er konnte die administrative Seite seiner Arbeit nicht mehr aushalten. Somit endete diese Karriere mit einem Doktor in Statistik zwischen 2011 und 2015. Danach hat er den Entschluss gefasst, sich vollkommen dem Studium, der Weitergabe und der Praktik der Künste, die ihn begeistern, zu widmen. Einer der taoistischen Lehren spricht vom Menschen als einem Mikrouniversum, Spiegelbild des Makrouniversum. Er  erfülle somit seine Kindheitsleidenschaft: das Funktionieren des grossen Universums in allen möglichen Dimensionen des Mikrouniversums, d.h. mit dem physischen, energetischen, emotionalen und geistigen Wesen zu experimentieren, zu üben und zu studieren.

2012 übernahmen Eric und Sonja Graf zusätzlich die Aikido Schule Biel, die sich zu dieser Zeit noch in einem Tanzstudio befand, so dass die Tatami-Matten vor jedem Training installiert und anschließend wieder entfernt werden mussten. Nach dem Umzug 2014 in eine ehemalige Kellerdruckerei gab es nach einigen Umbauarbeiten zu einem Dojo einen festen Trainingsraum. Aber es gab nur eine Garderobe und eine Dusche, war aber der Anfang für eine Weiterentwicklung.

Im April 2016 folgte der nächste Schritt mit dem Umzug in die Freiburgstrasse 41 in einer ehemaligen Gläserei. In 2 Monaten Umbauarbeit entstand ein neues wunderschönes Dojo von 100qm Tatami-Matten mit zwei Garderoben mit je 2 Duschen. Die Schule entwickelt sich, durch neue Mitglieder, die hinzukommen und auch dank der neuen Verbindungen mit dem Sportdienst der Stadt Biel, indem Aikido-Unterricht für Ferienpässe und als Teil des optionalen Schulsports angeboten werden.

Unser Interviewpartner Eric Graf bringt Aikido bei

 

Eric und Sonja, was unterscheidet Aikido von anderen Kampfsportarten wie Karate oder Judo?

Ein grosser Unterschied ist, dass Aikido keine Wettkämpfe kennt. Das Ziel ist nicht besser als andere zu werden, sondern sich selbst ständig zu Verbessern. Dies führt natürlich zu einer generell mehr entspannte Stimmung im Training als in andere Kampfsportarten.

Dann ist die Philosophische Komponente des Aikido im Training und im ganzen Dojo sehr präsent. Die Lebensphilosophie, Respekt zu den anderen, Etikette-Regeln, usw. garantieren ideale Rahmenbedingungen um sich zu entwickeln und in Sicherheit zu trainieren.

 

Was erwarten Menschen, die Aikido lernen wollen? Und was kann ihnen Aikido tatsächlich geben?

Selbstverteidigung. Bessere physische Kondition schaffen. Soziale Kompetenzen verbessern. Persönliche Entwicklung. Stress & Emotionen kontrollieren. Interesse für Asiatische japanische Philosophie und Lebenswerte. Spirituelle Entwicklung. Sinnvolle Aktivität die Körper und Geist vereinigt und stimuliert.

 

Aikido scheint insbesondere Frauen anzusprechen. Könnt ihr bestätigen, dass der Anteil weiblicher Teilnehmer beim Aikido im Vergleich zu anderen Kampfkünsten, sehr hoch ist. Und wieso glaubt ihr, fühlen sich Frauen so zum Aikido hingezogen?

Wir haben etwa 1/3 weibliche Teilnehmer und 2/3 männliche Teilnehmer, sowohl bei den Kindern, wie auch bei den Erwachsenen. Es ist tatsächlich ziemlich viel für einen Kampfsport.

Aikido ist nicht gewalttätig, sondern man lernt wie man die Kraft und Energie des Angreifers (wir sagen des Partners) nutzen kann um diesen zu kontrollieren, projizieren oder festhalten. Generell braucht Aikido – wenn richtig und gut realisiert – nicht besonders mehr Kraft als was es braucht fürs tägliche Leben.

Aikido ist sicher im Sinne, dass man sich praktisch nie verletzt. Das sind alles gute Gründe warum es auch für Frauen sehr geeignet ist.

 

Wenn man zum Sport geht, möchte man was für die Gesundheit und Fitness tun.  Kann man das auch mit Aikido? Was könnt ihr für Anfänger empfehlen?

Physische Kondition findet man im Aikido und Gesundheit des Körpers. Man lernt, seine Emotionen zu beherrschen und so auch eine „geistige“ Gesundheit zu erlangen, befinden sich im Zentrum der Praxis. Im Aikido-Training praktizieren Fortgeschrittene mit Anfängern, alle Niveaus, verschiedene Alter und beide Geschlechter üben zusammen. Es gehört zum Aikido-Geist, dass Anfänger/in jederzeit anfangen können und willkommen sind. Kein Dojo kann überleben ohne neue Mitglieder. Jeder übt mit seinen Möglichkeiten. Das heisst, dass es im selben Training möglich ist, dass jeder sich nach seiner Laune oder wie fit man sich an diesem Tag füllt, sich physisch mehr oder weniger beteiligen kann. Wichtig ist regelmässig dabei zu sein, idealerweise 2-mal pro Woche. Jeder schafft es, wenn er/sie regelmässig dabei ist und Geduld hat mit sich selbst.

Bei dem Sport geht es hauptsächlich um Selbstverteidigung

 

Ein Sport der körperlich und geistige Entwicklung ermöglicht

Aikido ist ein sehr interessanter Sport, der sich für sehr unterschiedliche Menschen eignet. Ausserdem hat er eine Philosophie, die es jedem Neuling ermöglicht, schnell Teil der Gemeinschaft zu werden und sich trotzdem passend zu seinen ganz persönlichen Möglichkeiten zu entwickeln. So macht es auch Sinn, sich diesem Sport zu widmen, wenn man nicht mehr jung ist und bisher sportlich nicht aktiv war. Vielen Dank an Eric und Sonja Graf für dieses ausführliche Gespräch und den tiefen Einblick in die Welt des Aikido.

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